Mittwoch, 16. Januar 2013

Lagerfeuer-Gourmets ...

Sonne und Regen und Wind,
die Kraft der Erde und die Arbeit vieler Hände
sind in unserem Essen gegenwärtig.
Mögen wir es achtsam und dankbar annehmen.
Möge es uns nähren und stärken
für unser Leben inmitten von Leben.

Dirk Grosser


Schwedisch-norwegisches Fjäll im Juni. Der Rogen-Nationalpark mit seinen
Seen, Flüssen, Ebenen und Wäldern wirkt wie die Bestätigung eines Satzes von Henry David Thoreau: „Alles Gute ist wild und frei…“
Wir wandern, befahren mit unseren Booten die eindrucksvolle Seenlandschaft und sind Teil einer Welt, deren Anblick in uns wirkt, uns eine tiefe Verbundenheit spüren lässt, uns wahre Heimat schenkt.
   

Die Sonne verabschiedet sich nach einem ereignisreichen Tag in der Wildnis. Die müden Beine ausgestreckt, ein knisterndes Lagerfeuer und der Duft guten und frischen Essens. Selbst gesammelte Beeren und Kräuter, selbst gefangener Fisch, ein paar Kartoffeln, die in der Glut des Feuers garen… Alles ist echt, alles ist gut, alles ist richtig.
Meist bleibt solch ein Erlebnis leider ein Traum, denn während bei Outdoor-Touren die Augenauf wunderschönen Landschaften ruhen, die Ohren dem Stadtlärm entzogen sind und die Luft nach Wildnis und Freiheit duftet, werden die Geschmacksnerven mit Fertignahrung gequält.
„Du bist, was du isst“?! Besser nicht!
Natürlich kann man praktische Gründe anführen: Tütennahrung ist leicht zu transportieren und wer schon einmal einen 20 kg Rucksack einen Berghang hinaufgeschleppt hat, ist für jedes gesparte Gramm dankbar.
Doch unsere Tour wurde von anderen Gedanken getragen: Genuss für alle Sinne, dazu Echtheit, Ruhe, eine Pause von all der Künstlichkeit, die uns so oft in unserem Alltag umgibt. Eine Zeit in der Wildnis, doch nicht als Survival-Abenteuer, nicht als leistungsorientierte Qual, sondern als Ankerplatz für die Seele. Wir wollten uns fernhalten von all den Surrogaten, die unsere Gesellschaft uns – auch wortwörtlich – zum Fraß vorwirft. Den ganzen Tag von unglaublicher Schönheit umgeben sein und abends dann ein unansehnlicher Brei aus nicht identifizierbaren Flocken mit künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern? Diesmal nicht.

So machten wir uns auf, nicht nur erstklassig zu reisen, sondern auch erstklassig zu essen – und beides wirklich zu genießen und dieses Erlebnis
entsprechend zu dokumentieren. Die Tour, die Landschaft, das Kochen, das Essen, das Fotografieren und das Filmen für die DVD, all das war und ist Teil einer einzigen Idee und findet sich in diesem Buch wieder.
 

Wie das eingangs beschriebene Gefühl des Echten, was uns auf unserer Tour durch die nordschwedische Wildnis umfing, ist auch dieses Buch echt: Alle Gerichte entstanden auf dieser Tour und wurden am Lagerfeuer zubereitet, teils in blendendem Sonnenschein, teils in Regen und Nebel, teils in der Dunkelheit. Alle Fotos sind während und direkt nach dem Kochen entstanden – nichts wurde nachgestellt und die Aufnahmen wurden auch nicht nachträglich bearbeitet. Und natürlich konnten wir auch keine professionelle Beleuchtung mit uns herumschleppen. Um ehrlich zu sein, hatten wir mit dem Essen schon genug zu tun…

Dies ist also kein durchgestyltes Hochglanzwerk, das unerreichbare Kochkünste in perfekten Photoshop-Bildern zeigt, sondern ein authentisches Bild des Möglichen. Sicher werden die meisten Outdoor-Reisenden nicht all unsere Vorschläge und Rezepte umsetzen können und wollen, denn der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Doch wer sich auf einer Tour einmal
etwas Besonderes gönnen möchte, wer einfach ein Highlight setzen oder sich für eine besondere Etappe seiner Reise belohnen möchte, findet hier sicherlich Anregungen, die dazu geeignet sind, das Leben mit Hochgenuss zu feiern.

Dieses Feiern des Lebens ist es doch, was uns auf jeder Tour wirklich und
authentisch bei uns selbst ankommen lässt.


Die Wild Things Crew
September 2012





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